Aktionen

2004 und 2005 Verhandlungen und Abschluss eines Abkommens der Sozialpartner in Europa
2006 und 2007 verbreiteten die Sozialpartner das Abkommen in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und verabschiedeten eine „Gemeinsame Erklärung zur Reduzierung von tragbaren Gewichten“.
2008 und 2009 wurden durch die Sozialpartner in drei Ländern – Frankreich, Deutschland und Polen – nationale Beobachtungsstellen eingerichtet und verhandelten die Sozialpartner mit verschiedenen betroffenen Industrien zur Reduzierung von Gewichten bei Sackwaren.
2010 und 2011 wurde eine Bilanz der bisherigen Arbeiten gezogen und die Bitte geäußert, umgehend weitere nationale Beobachtungsstellen in Belgien, Niederlande, Dänemark und Schweden einzurichten. Auch in Italien und Spanien sollen die Arbeiten zur Schaffung nationaler Beobachtungsstellen aufgenommen werden.

Was wurde erreicht?

Schwere Säcke

EFFAT arbeitete vor allem an dem Ausschluss von Säcken, die mehr als 25 kg und weniger als 100 kg Gewicht haben. Dies bedeutet, dass vor allem Säcke mit einem Gewicht von 40, 50 und 75 kg vom Markt verschwinden sollen. Säcke mit einem Gewicht von bis zu 25 kg können von Arbeitnehmern getragen werden, wobei Jugendliche, Frauen und ältere Arbeitnehmer dies nicht immer und nur unter Beachtung der nationalen Gepflogenheiten tun dürfen. Säcke mit einem Gewicht von mehr als 100 kg können als sogenannte „bigpacks“ durch Hublader und andere Transporthilfsmaschinen bewegt werden. Ein Tragen durch Arbeitnehmer muss hier verhindert und nur im Notfall zugelassen werden. Mittlerweile hat sich gerade die Saatgutindustrie umgestellt und der Anteil schwerer Säcke konnte erheblich reduziert werden. Auch in anderen Wirtschaftsbereichen gibt es gute Fortschritte, die die Arbeit in der Landwirtschaft sicherer machen.

Kampagnen gegen MSE

Nach Abschluss der Verhandlungen des Abkommens der Sozialpartner der Europäischen Landwirtschaft haben umfangreiche Kampagnen in verschiedenen Mitgliedstaaten der EU stattgefunden, die für die Reduzierung von MSE in der Landwirtschaft geworben und beste Praktiken ausgetauscht haben. Gemeinsam mit der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit (OSHA Europa) hat EFFAT an einer Kampagne gegen MSE in der Landwirtschaft gearbeitet, in deren Ergebnis eine gute Handlungshilfe gegen MSE in der Landwirtschaft herausgekommen ist.

Definition

In den Mitgliedstaaten und in der EU gibt es keine einheitliche Definition von MSE. Deshalb haben die Sozialpartner der Europäischen Landwirtschaft – EFFAT und GEOPACOPA – die Europäische Kommission gebeten, eine europäische Definition von MSE vorzuschlagen. Diese Arbeiten haben bis heute zu keinem Fortschritt geführt. Deshalb bilden wir hier drei Beiträge für Definitionen ab, die für die weiteren Arbeiten genützt werden könnten. Die erste ist die von den Sozialpartnern im Abkommen von 2005 gewählte Definition, die zweite ein Katalog von Ursachen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (OSHA Europa) sowie drittens ein Katalog der Weltgesundheitsorganisation, der die entsprechenden Krankheitssymptome zuordnet.

Definition der Sozialpartner

MSE sind eine Gesamtheit von Gelenkerkrankungen, die überwiegend durch wiederholte Arbeitsvorgänge, Heben und Tragen schwerer Lasten, Ganzkörpervibrationen und Fehlhaltungen ausgelöst werden können.

Ursachenkatalog der OSHA Europa

Zu den körperlichen Ursachen für Muskel-Skelett-Erkrankungen zählen: manuelle Tätigkeiten, Lasten, schlechte Körperhaltung und ungünstige Bewegungen, sich ständig wiederholende Bewegungen, kräftige Handbewegungen, direkter mechanischer Druck auf Körpergewebe, Vibrationen und niedrige Temperaturen in der Arbeitsumgebung. Zu den Ursachen, die sich aus der Arbeitsorganisation ergeben, zählen: Arbeitsgeschwindigkeit, sich wiederholende Tätigkeiten, Zeitraster, Zahlungssysteme, monotone Tätigkeiten und psychosoziale Arbeitsfaktoren.

Liste der Weltgesundheitsorganisation

Die Weltgesundheitsorganisation hat eine Liste der Muskel-Skelett-Erkrankungen herausgegeben, die Ausgangspunkt für eine Definition von MSE in Europa sein könnte. EFFAT schlägt deshalb vor, bei weiteren Arbeiten von dieser Liste auszugehen. Hier ist nur eine Kurzfassung abgebildet, die entsprechenden weitergehenden Informationen stehen den Sozialpartnern aber jederzeit zur Verfügung.

Table 1 M00-M99 Diseases of the musculoskeletal system and connective tissue
M00–M25 Arthropathien
M00-M03 Infektiöse Arthropathien
M05-M14 Entzündliche Polyarthropathien
M15-M19 Arthrose
M20-M25 Sonstige Gelenkkrankheiten
M30-M36 Systemkrankheiten des Bindegewebes
M40-M54 Krankheiten derWirbelsäule und des Rückens
M40-M43 Deformitäten derWirbelsäule und des Rückens
M45-M49 Spondylopathien
M50-M54 Sonstige Krankheiten derWirbelsäule und des Rückens
M60-M79 Krankheiten der Weichteilgewebe
M60-M63 Krankheiten der Muskeln
M65-M68 Krankheiten der Synovialis und der Sehnen
M70-M79 Sonstige Krankheiten des Weichteilgewebes
M80-M94 Osteopathien und Chondropathien
M80-M85 Veränderungen der Knochendichte und -struktur
M86-M90 Sonstige Osteopathien
M91-M94 Chondropathien
M95-M99 Sonstige Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes

Bedeutung der Muskel-Skelett-Erkrankungen

Nach Erhebungen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz (OSHA Europa) im Sektor Landwirtschaft

  • arbeiten etwa 60 % der Beschäftigten in der Landwirtschaft häufig in schmerzhaften Bedingungen
  • in keinem anderen Sektor in Europa ist die Zahl höher (alle Sektoren 45 %),
  • tragen fast 50 aller Beschäftigten schwere Lasten (alle Sektoren: 33 %),
  • arbeiten über die Hälfte der Beschäftigten in einseitigen Arbeitsbedingungen.

MSE-Prävention in der EU

Der Ansatz der Europäischen Union zur Prävention von Muskel-Skelett-Erkrankungen sieht folgende Punkte vor:

  • Beseitigung der Risiken, z. B. durch Automatisierung oder Mechanisierung der Arbeitsabläufe,
  • Bewertung aller Risiken,
  • Bekämpfung der Risiken am Entstehungsort,
  • Berücksichtigung des Einzelnen bei der Arbeit, insbesondere bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes, der Auswahl der Arbeitsmittel sowie bei der Auswahl von Arbeits- und Fertigungsverfahren,
  • Anpassung an den technischen Fortschritt,
  • Verringerung des Risikos,
  • Entwicklung einer Präventionspolitik in folgenden Bereichen: Technologie, Organisation der Arbeit, Arbeitsbedingungen, soziale Beziehungen und Einfluss von Faktoren im Zusammenhang mit dem Arbeitsumfeld,
  • Gemeinsame Schutzmaßnahmen werden gegenüber individuellen Schutzmaßnahmen bevorzugt durchgesetzt,
  • praxisorientierte Unterweisung der Beschäftigten.

Welche Arbeitnehmer sind besonders gefährdet?

Prekäre Arbeitnehmer

Sie führen häufig sich wiederholende Tätigkeiten aus und arbeiten oftmals unter ermüdenden oder schmerzhaften Bedingungen (z.B. Rücken- und Knieprobleme bei Obstund Gemüseernte) bei Unsicherheit des Arbeitsplatzes.

Jugendliche Arbeitnehmer

Jugendliche Arbeitnehmer, insbesondere solche, die sich noch im Wachstum befinden, sind MSE besonders ausgeliefert. Hier bedarf es des Schutzes, um Rücken, Sehnen, Gelenke und Knochen dauerhaft zu erhalten.

Ältere Arbeitnehmer

Ältere Arbeitnehmer leiden häufiger unter MSE, da altersbedingt manche manuellen Tätigkeiten nicht mehr so fließend abgearbeitet werden können, wie dies in jüngeren Jahren der Fall war.

Frauen

Arbeitnehmerinnen sind häufiger als Männer von MSE in den oberen Gliedmaßen betroffen.

Arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen

MSE sind häufig unspezifisch und schwierig bestimmten Arbeitsbedingungen zuzuordnen. Sie sind von der Erscheinung her vielfältig. Die unterschiedlichen Bedingungen am Arbeitsplatz spielen daher eine herausragende Rolle. Heben und Tragen schwerer Lasten, einseitige und sich wiederholende Tätigkeiten, Zwangshaltungen und Vibrationen sind die herausragenden Ursachen für MSE. EFFAT setzt sich für die Organisation wechselnder Arbeitstätigkeiten ein. Langes Sitzen soll mit Phasen von stehenden und gehenden Tätigkeiten verbunden werden, arbeitsintensive Zeiten sollen durch arbeitsarme Zeiten oder entsprechende Pausenregelungen verbunden werden. Junge Arbeitnehmer und schwangere Frauen sind vor dem Heben und Tragen von schweren Lasten grundsätzlich zu schützen – auch wenn sie selber meinen, die Tätigkeiten durchführen zu können. Ältere Arbeitnehmer sind deshalb besonders von MSE betroffen, da sie körperlich nicht mehr so leistungsfähig sind und häufig unter degenerativen Folgen früherer Überlastungen leiden. Hier setzt sich EFFAT für altersgerechte Lösungen auf betrieblichen Ebenen ein, da diese Arbeitnehmergruppe infolge des demographischen Wandels für die Betriebe immer wichtiger wird.

EFFAT Aktionsplan zur Verringerung von Muskel-Skelett-Erkrankungen

Dieser Aktionsplan gliedert sich in fünf Stufen:

Einrichtung von nationalen Beobachtungsstellen
Einheitliche Definition entwickeln
Beste Praktiken austauschen
weitere Netzwerke schaffen
Europäischen Rahmen schaffen
Einrichtung von nationalen Beobachtungsstellen
Zuständigkeit Aktion
Nationale Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände Treffen der Sozialpartner
Identifizierung einer geeigneten Einrichtung
Treffen der Sozialpartner mit der Einrichtung
Information der europäischen Verbände
Information in Ausschuss des sektoralen Sozialdialogs
Einheitliche Definition entwickeln
Zuständigkeit Aktion
Europäische Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände Identifizierung geeigneter Experten
Identifizierung einer geeigneten Einrichtung
Werbung bei wichtigen Partnern
Information der europäischen Institutionen
Information in Ausschuss des sektoralen Sozialdialogs
Beste Praktiken austauschen
Zuständigkeit Aktion
Nationale Beobachtungsstellen Sammeln von guten Lösungen und Beispielen
Nationale Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände Information der Sozialpartner
Europäische Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände Information in Ausschuss des sektoralen Sozialdialogs
Präsentation von besten Praktiken mittels Website
weitere Netzwerke schaffen
Zuständigkeit Aktion
Nationale Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände Neue Partner identifizieren
Europäische Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände Mit neuen Partnern kooperieren
Information in Ausschuss des sektoralen Sozialdialogs
Europäischen Rahmen schaffen
Zuständigkeit Aktion
Europäische Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände Diskussion im Ausschuss des sektoralen Sozialdialogs
Werbung bei wichtigen Partnern
Information der europäischen Institutionen
Information in Ausschuss des sektoralen Sozialdialogs